Selbstzeugnisse



Überlegungen nach der Motivation zur freien künstlerischen Arbeit im Allgemeinen


Die Motivation für das Künstlerische im Menschen ist immer immanenter und zugleich transzendenter Herkunft. Wir kennen das Künstlerische von den Naturvölkern über unsere Bauernkultur bis hin zu unseren technischen Zivilisationen. Würde man all das Künstlerische in dieser Welt verschwinden lassen, könnten wir auf dieser Welt meiner Meinung nach nicht existieren. Folglich ist ein menschliches Dasein ohne Kunst nicht möglich. Der Mensch ist das Produkt einer zu allererst emotional funktionierenden Evolution. Er ist ein Organismus in einem vielfältigen Ökosystem, der sich in das Umfeld von Kleinstlebewesen, Pflanzen über tausende Tierarten, in einen voneinander abhängigen Kreislauf einreihen muss.
Der Drang nach Künstlerischer Aktivität im Menschen liegt in der Veranlagung seines emotionalen Bewusstseins. Ist doch der künstlerische Prozess im Schwerpunkt ein kultischer Vorgang indem der Mensch versucht, die vielschichtigen Fragen nach seiner Existenz über den Weg der reinen Begrifflichkeit zu umgehen. Mit dem Künstlerischen schafft er sich intime Seinsauseinandersetzungen durch alle künstlerischen Gattungen hindurch. Im Verlauf unserer Zivilisierung und Technisierung veränderten sich diese kultischen Handlungen bis heute in ein vorwiegend intellektuelles Phänomen.
Heute hat sich das Arbeitsfeld der Bildenden Künstler/innen unter Verwendung von Elektronik, bezüglich Projekten hin zu gesellschaftskritischen Diskursen erweitert und ihre Ergebnisse sprechen weniger von Intimität, das, was den/die Bildende(n) Künstler/in des vergangenen Jahrhunderts noch ausmachte. Die angehenden Künstlerinnen und Künstler werden heute mit einer digitalen Bildwelt konfrontiert und befinden sich so in einer Zeit computerorientierter, experimentierfreudiger Prozesse. Die Bildschirmarbeit gehört immer mehr zum künstlerischen Studium. Beeindruckende Bildqualitäten können in kurzer Zeit erstellt werden und die zeitaufwendigen Prozesse manueller künstlerischer Tätigkeiten verlieren an Attraktivität, vielleicht oft auch ohne dabei die völlig unterschiedliche Substanz beider Ausdrucksweisen näher zu hinterfragen.
Beide Ausdrucksformen sind zwar gänzlich unterschiedlich und doch brauchen sie einander, beobachtet man seit einigen Jahren figurative Tendenzen, die eine menschliche Figur eher oberflächlich, plakativ oder unpersönlich erscheinen lassen? Hierbei ist die Frage “was ist zeitgenössisch, oder wie ist das Zeitgenössische in der Bildenden Kunst“ sehr interessant.


Harald Gnade, Berlin Februar 2009